Im Reich der Zwerge – Wandern mit Kindern im Bergischen Land

19. November 2018  •  Veröffentlicht in Freizeittipps, Wanderwelt

Diese Wanderung besticht durch Höhepunkte, die die Fantasie anregen, denn hier geht es um Zwergenzauber, geheimnisvolle Quellen und eine dunkle Höhle…

 

Ausgangspunkt:
St. Jakobus-Kapelle
51515 Kürten-Spitze, Wipperfürther Straße (L286)

Basics:

  • ca. 9 Kilometer lange Rundwanderung
  • für kleine Radfahrer und Kinderwagen geeignet (bis auf ein etwa 50 Meter langes Teilstück, auf dem improvisiert werden muss)
  • Asphalt, Wurzelboden, weicher Waldboden
  • Landstraße muss überquert werden
  • Sonne und Schatten wechseln sich ab
  • Einkehrmöglichkeiten auf der Hälfte der Strecke und am Ende
  • kein Notausstieg/keine Verkürzung möglich

Etappenziele:

  • Zwergenhöhle im Zwergenwald
  • Quelle des Strundebaches
  • Die durch Zwergenzauber versiegte Ur-Quelle

Beste Wanderzeit:

Zwischen April und Oktober gibt es Zeiten, in denen die Zwergenhöhle nicht mit einem Eisengitter verschlossen ist und –sofern man sich traut- betreten und genauer untersucht werden kann. Einfach ausprobieren. Aber selbst bei verschlossenem Gitter lohnt sich unbedingt ein Besuch dieses geheimnisumwobenen Ortes! Ansonsten ist die Wanderung für alle Jahreszeiten und Wetterlagen geeignet.

Vorbereitung:

Taschenlampe/Stirnlampe, Badethermometer

Parkmöglichkeiten:

Links neben der Jakobuskapelle befindet sich der Dorfplatz, auf dem geparkt kann, sofern gerade keine Veranstaltung stattfindet. Ansonsten gibt es direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite einen zur „Bergischen Wurstbraterei“ gehörenden Parkplatz. Wer im Imbiss nett fragt, darf dort stehen bleiben. Und vielleicht hat man ja nach der Wanderung Appetit auf ein leckeres Würstchen oder eine kalte Schorle!

Wir starten..

Damit wir uns erst einmal von der mehr oder weniger langen Anfahrt erholen können, gibt es zum Glück das schöne und verwunschene Gelände der Kapelle Sankt Jakobus. Das romantische kleine Gotteshaus aus dem 17. Jahrhundert steht zwar höchst ungünstig zwischen Feldern und Hauptverkehrsstraße – aber letztere vergisst man, wenn man unter den hohen Linden und Buchen oder zwischen sieben steinernen Stationskreuzen, Fußfälle genannt, umherwandelt. Zu Recht ist die Jakobskapelle offiziell als „kleines Heiligtum“ geadelt.

Der Gang zu den Sieben Fußfällen stammt aus einer Zeit, als die Menschen noch keine ärztliche Versorgung hatten wie wir heute. Alte und kranke Menschen wurden nicht in Krankenhäusern oder Seniorenheimen gepflegt, sondern starben zuhause im stillen Kämmerlein. Allerdings hat die Dorfgemeinschaft seine Anteilnahme für das Leid des Kranken gezeigt. Und das geschah - in manchen Gemeinden ist das sogar heute noch so – durch das Beten der sieben Fußfälle, eine besonders fromme und ehrfürchtige Form des Gemeinschaftsbetens. War der schwerkranke Mensch eine Frau, so gingen sieben Mädchen bestimmte Kreuze in der Gemarkung ab, ließen sich gleichzeitig mit beiden Knien auf den Boden fallen und beteten an jeder Station entweder den schmerzhaften Rosenkranz oder sieben Vaterunser mit dem Zusatz „Herr, gib dem kranken, was ihm zum Heile dient!“ Wenn der Todkranke ein Mann war, wurde das Ritual von sieben Jungen durchgeführt. Eigentlich eine schöne Form des Abschiednehmens...

 

Nach diesem ersten Luftschnappen in ehrfürchtiger Atmosphäre wird es ernst und die Wanderung beginnt. Leider geht es erst einmal auf einem Fußweg entlang der Bechener Straße (L289), an der Shell-Tankstelle vorbei. Immerhin können Sie hier noch schnell den Proviant aufstocken, falls Ihre Familie plötzlich von einem Hungergefühl befallen wird, noch ehe sie drei Schritte gemacht hat, und Sie Angst haben, die geschmierten Butterbrote könnte nicht reichen..

Hat man diese 300 Meter überstanden, wird es bald wunderschön, versprochen. Wir folgen der Bechener Straße bis weit in die Kurve hinein. Nachdem wir die Straßenseite gewechselt haben, verlassen wir die Hauptstraße und biegen links ab  in Richtung „Bölinghoven“ (Wanderzeichen N, A4, Raute). Wenn wir die wenigen Häuser von Bölinghoven hinter uns gelassen haben, verlassen wir die kleine Asphaltstraße und biegen am letzten Haus links auf einem schmalen Weg in den Fichtenwald hinein. Über Wurzeln geht es durch den Wald abwärts (Achtung, nach etwa 300 Meter den Rechtsknick des Weges nicht verpassen), dann einen kleinen Pfad rechts hoch (Kinderwagenschiebende Erwachsene oder fahrradfahrende Kinder müssen sich die nächsten 50 Meter etwas einfallen lassen, sich entweder dünn machen und schieben oder das Rad Papas starken Armen überlassen…). Oben stoßen wir auf einen Waldweg, der abwärts führt und uns schon bald einen Blick auf den „Zauberwald“ mit der Zwergenhöhle eröffnet. Wir gehen abwärts, bis wir an einen asphaltierten Weg kommen, dem wir links folgen, bis wir kurz vor der Landstraße rechts abbiegen Richtung Waldrand. Und genau hier betreten wir das Reich der Zwerge. Je nachdem, wie viel Fantasie Sie oder Ihre Kinder haben.. (ACHTUNG: Aufgrund von großflächigen Baumrodungen hat sich die Streckenführung ein wenig verändert; der Weg ist aber dennoch erkennbar, die “Zauberhaftigkeit” hat stellenweise allerdings etwas gelitten…)

Frau Betty rät:
Gehen Sie mit Ihren Kindern bei der nächstbesten Möglichkeit einmal in den Wald hinein (es gibt einen Weg (A6), den man, wenn man Lust und Kondition hat, bis oben zur Weide gehen kann). Seien Sie ganz leise. Und dann versuchen Sie sich vorzustellen, dass sie hier zu Gast sind im Reich der Zwerge, und gerade in diesem Augenblick argwöhnisch beäugt werden von den kleinen Kerlchen…

Wir gehen etwa einen Kilometer zwischen Zauberwald und Wiesen – es geht sanft abwärts und wer genau hinguckt, bemerkt ein Flussbett ohne Wasser… Was, liebe Wandersleut, könnte hier mit dem kleinen Bach, der Strunde, passiert sein? Wo ist das Wasser geblieben? Des Rätsels Lösung liegt bei der Zwergenhöhle und wird auch nicht vorher verraten! Unser Weg führt – ich gebe zu, auch ich war anfänglich erschrocken – geradewegs auf die L286 zu. Doch vorher sticht uns ein steinernes Wegkreuz am Waldrand ins Auge – und jetzt wird’s ernst. Wenn wir die Zwergenhöhle finden wollen, müssen wir uns in die Büsche schlagen und unseren sicheren Wanderweg verlassen. Wir kraxeln rechts neben dem Kreuz einen Trampelpfad hoch (mittlerweile ist im Rahmen der Regionale 2010 eine Hinweistafel installiert worden) hinauf in den Buchenwald. Und schon sind wir mitten drin in der Zauberwelt. Noch 100 Meter, dann liegt vor uns in einer verwunschenen Senke die Zwergenhöhle. Wir klettern ein paar Felsen runter und sehen dank einer Informationstafel vom Naturschutzbund, dass wir angekommen sind und die Taschenlampen rausholen können.

Frau Betty rät:
Rechnen Sie damit, dass Sie die Kinder hier nicht so schnell wieder weglocken können. Insofern ist das hier der ideale Ort für ein kleines Picknick – und für eine geheimnisumwitterte Sage, die unbedingt erzählt werden muss, damit es nachher zum nächsten Highlight gehen kann.

Die Geschichte solle sich vor langer, langer Zeit so oder so ähnlich zugetragen haben:

Es war einmal ein Zwergenvolk, das von weit her gekommen ist, um sich in dieser Gegen niederzulassen. Ihr Zuhause wurde diese wundersame Höhle in der Nähe der Asenbornquelle, der Urquelle der Strunde. Die entsprang in alten Zeiten in dem Dorf Spitze, von wo aus das Wasser ins Strundetal floss. Die Zwerge haben sich gut mit den Dorfbwohnern verstanden, sie waren hilfsbreit und zu allerlei nütze. Die Zwergenmänner arbeiteten im Bergbau. Die Zwergenfrauen betrieben eine kleine Viehzucht – und die Zwergenkinder tollten den ganzen Tag durch den Zwergenwald und brachten jeden Tag neue Fundstücke mit in ihre Höhle. Die Zwergenfrauen ließen ihr Vieh, das ja nur wenig größer als die Zwerge war, auf der Wiese vor der Höhle weiden - aber auch auf dern entfernteren Wiese des Müllers in Spitze, denn dort war das Gras besonders saftig und voller Wildkräuter. Der Spitze-Müller war ein reicher Mann, denn er besaß die erste Mühle an der Strunde, nur wenige Meter von der Strunde-Quelle entfernt. Doch sein Reichtum hatte ihn hartherzig und geizig gemacht. Er verbot den Zwerginnen, seine Weide neben der Mühle zu benutzen, und drohte damit, auf die Tier zu schießen. Das Zwergenvolk beriet sich noch am gleichen Abend in seiner Höhle, doch die Zwerge selber waren so gutmütig, dass sie sich nicht vorstellen konnten, dass ein Mensch wirklich böse sein könnte. Schließlich waren die Zwergenkühe doch so klein, dass sie seinen Kühen weiß Gott nichts wegfraßen. Die Zwerge beschlossen, ihre Tiere in der nächsten Zeit vorsichtshalber vor ihrer Höhle weiden zu lassen. Aber wirklich ernst nahmen sie die Drohung des Müllers nicht. Als etwas Zeit verstrichen war, hatten sie seine Warnung fast schon vergessen. Eines Tages brachte eine Zwergin wieder ihre Kuh auf die Weide des Müllers. Wutentbrannt kam der Müller angelaufen, einen Stein in der Hand und wollte zuschlagen, da rief die Zwergin: „Schlägst Du ming Kau schwatz un brung, su sullst Du hollen ding Wasser zu Strung.

 

Für denjenigen, der partout nicht an diese Zwergen-Mär glauben will, gibt es natürlich eine wissenschaftliche Erklärung, wohin das Wasser der Strunde verschwunden sein könnte! Der kalkhaltige Boden sorgt dafür, dass sich das Wasser in unterirdischen Hohlräumen sammelt und unterirdisch verläuft, bis es später als Quelle an die Oberfläche tritt.

Die Höhle ist eng, wer eine Stirnlampe dabei hat, ist gut bedient. Zwischen Oktober und April (… und zum Teil auch darüber hinaus!) ist der Höhleneingang mit einem schweren Eisengitter verschlossen. Und das hat nichts mit dem Geheimnis der Zwerge zu tun, sondern mit Fledermäusen, die hier in aller Ruhe überwintern wollen.

 

Die meisten von uns finden Fledermäuse gruselig und denken sofort an Vampire und andere Blutsauger. Tatsächlich aber sind Fledermäuse ganz possierliche Säugetiere, deren Besonderheit nicht nur darin liegt, dass sie fliegen können, sondern dass sie sich ausschließlich durch Echoortung orientieren, mit der sie selbst Tiere in Größe einer Mücke im Stockfinstern aufspüren und fangen können. Im Sommer schlafen Fledermäuse in Baumhöhlen oder Vogel- oder Fledermauskästen. Im Herbst aber geht es dann los mit den Vorbereitungen für den Winterschlaf, denn dann werden die Tage kühler und kürzer - und die für Fledermäuse so köstlichen Insekten verschwinden nach und nach. Wenn die Nahrung knapp wird, beginnen die Fledermäuse ihren Rückzug in die Winterquartiere. Das kann eine Höhle wie unsere Zwergenhöhle sein - aber auch Bergwerkstollen, Bunker, Holzstapel, alte Keller oder tiefe Baumhöhlen stehen bei Fledermäusen hoch im Kurs. Hauptsache es ist kühl und frostfrei! Wichtig ist immer, dass das Winterquartier eine hohe Luftfeuchtigkeit hat, damit die dünnen Flughäute nicht austrocknen! Zum Glück haben sich die Fledermäuse vorher ausreichend Fettpolster angefuttert, so dass sie die kalte Jahreszeit auch ohne Nahrung im Winterschlaf verbringen können. Winterschlafen heißt aber nicht einfach schlafen! Die Fledermäuse müssen im Winterschlaf ihren ganzen Organismus umstellen, denn jetzt sollten sie so wenig Energie wie möglich verbrauchen. Zum Beispiel senken sie ihre Körpertemperatur auf ca. 2-10 ° Celsius und verlangsamen dadurch alle möglichen Körperfunktionen, z.B. ihre Atmung und ihren Herzschlag. Durch die Verlangsamung des Stoffwechsels nehmen die Fledermäuse weniger Sauerstoff zu sich und kommen mit einem Atemzug pro Stunde aus (zählt doch mal, wie viel Atemzüge ihr macht in einer Stunde!) Die Fledermäuse hängen entweder an der Höhlendecke oder zwängen sich in tiefe Spalten. Es gibt Fledermausarten (z.B. die Abendsegler), die zu mehreren dicht aneinander gekuschelt überwintern und sich so wärmen. Wenn ihr also im Winter eine Tour zur Zwergenhöhle macht, schlagt nicht gegen die Eisengitter oder macht unnötig Lärm, denn die Fledermäuse schlafen tief und fest – und sollten auf keinen Fall aufgeweckt werden! Denn beim Wachwerden verbrauchen die Tiere zuviel Energie. Werden sie häufiger geweckt, kann es sein, dass sie vorzeitig ihre Fettreserven verbrauchen und sterben.

                                            

Weiter geht’s zur Quelle der Strunde..

Wir verlassen die geheimnisvolle Zauberwelt, tasten uns den Pfad entlang des Weidezaun hinunter – und landen mit einem Schlag in der Realität und damit auf dem Wanderweg am steinernen Wegkreuz.

Trotzdem wollen wir natürlich herausfinden, wo genau die Strunde entspringt, nachdem die entrüstete Zwergenfrau die Quelle verlegt hat. Um diesen verzauberten Ort zu finden, müssen wir dem versiechten Bachlauf folgen Richtung Herrenstrunden. Doch das bedeutet, dass erst einmal die stark befahrene Landstraße (L286) überquert werden muss (für Zwerge stellten Straßen wie diese natürlich nie ein Problem dar. Sie sind ja als fleißige Arbeiter bekannt und haben einfach mit ihren kleinen Schaufelchen Tunnel gebaut, durch die sie sich auf die andere Seite geführt haben). Auf der anderen Straßenseite geht es aber glücklicherweise wieder direkt in den Wald hinein. Wir laufen zunächst entlang des versiechten Bachlaufs über einen schmalen Weg leicht bergauf, bleiben dabei auf dem breiten Forstweg, der sich nach etwa 400  Metern gabelt.  Wir halten uns rechts. Nach 300 Metern sind wir am Ziel. Rechts unten liegt sie, die Quelle der Strunde!

Wenn auch nicht ganz so verwunschen, wie sich die Romantiker unter uns eine Quelle vorstellen würden und nur etwa 100 Meter von der Kirche und damit der L286 in Herrenstrunden entfernt, ist sie die Quelle dennoch ein echtes Highlight, denn selten sieht man einmal so gut, woher eigentlich unser Wasser kommt! Hier blubbert und gluckert es, unentwegt steigen kleine Sauerstoffbläschen aus dem Untergrund an die Oberfläche.

Frau Betty rät:
Geht nicht einfach vorbei, sondern schaut und spürt genauer hin. Haltet die Füße rein, erfrischt euch mit dem kühlen Quellwasser. Stellt euch vor, wie sich das Zwergenvolk damals ins Fäustchen gelacht hat. Und: Schätzt einmal die Wassertemperatur! Wer ein Badethermometer mitgebracht hat, kann direkt nachmessen.

Frau Betty mahnt:
Das Wasser hat keine Trinkwasserqualität, ist also nicht geeignet, um die Trinkwasserflaschen aufzufüllen! Und: Bei der Strundequelle handelt es sich um ein einzigartiges Biotop, am Rand wachsen seltene Pflanzen! Also besonders aufpassen, dass es zu keinen Verunreinigungen kommt, auch Hunde gehören hier nicht ins Wasser!

“Sprudelt segenbringende Quellen Die ihr speiset die fleißige Strunde…”
So steht es in Stein gemeißelt am Rand der Quelle. Und es scheint zu stimmen, dass die kleine Strunde einer der fleißigsten Bäche Deutschlands ist. Fleißig, kraftvoll, mit hoher Fließgeschwindigkeit! Und das liegt am Kalkstein dicht unter dem Waldboden. Der nimmt gierig die Regenmassen auf, zersetzt sich und bildet Klüfte und Höhlungen, in denen sich die versickerten Niederschläge sammeln und mit hoher Durchlässigkeit nach oben drücken. Weil die Strunde so ungewöhnlich ergiebig ist, hat sie ohne langen Anlaufweg, schon wenige hundert Meter nach der Quelle, die erste Mühle angetrieben, die Malteser-Mühle (ist in Privatbesitz). Laut von Zuccalmaglio, einem Bergischen Schriftsteller im 19. Jahrhundert hat das Wasser der Strunde zu Hoch-Zeiten 51 Mühlen angetrieben (darunter die Papiermühle Alte Dombach, die unbedingt einen Besuch wert ist!), das bedeutet, dass man damals bei einem Gang entlang der Strunde etwa alle fünf Minuten eine Mühle klappern hörte. Die Strunde mündet nach etwa 20 Kilometern und einem Höhenunterschied von 200 Metern im Rhein bzw. unromantischerweise in einer Kläranlage in Köln-Stammheim. Über weite Strecken ist sie aufgrund dichter Bebauung in den Untergrund verlegt bzw. kanalisiert worden.

Etwa 50 Meter von der Hauptquelle entfernt liegt der ehemalige Teich der Johanniter-Komturei. In ihm sprudeln zahlreiche Nebenquellen. Er sieht unheimlich aus und ist es auch  – zumindest laut einer geheimnisvollen Sage..

Im tiefen Teich an der Quelle lebte vor langer, langer Zeit ein verzaubertes Wesen, die Schlangenkönigin! Sie war riesengroß und hatte eine wunderschöne, glitzernde Krone auf ihrem Schlangenkopf. Alle, die sie sahen, fürchteten sich. Es gab nur ein Kind, das keine Angst vor der Schlangenkönigin hatet. Es spielte mit ihr und teilte sich sogar seinen Brei. Die Schlangenkönigin war seine einzige Freundin, andere Spielgefährten hatte der kleine Junge nicht. Die anderen aus dem Dorf gingen dem Kind aus dem Weg, denn es stammte aus einer armen Familie, die erst vor einiger Zeit aus der Fremde nach Herrenstrunden gezogen war und in einer alten, halb verfallenen Hütte am Ortsrand lebte. Eines Tages machte sich ein Jüngling bei Vollmond auf den Weg zum Teich. Er war bekannt im Ort für sein freches Mundwerk und machte sich mit Vorliebe lustig über alle, die weniger klug und weniger reich waren als er. Der kleine Junge hatte oft unter ihm leiden müssen. Dieser Jüngling wollte nun die Krone der Schlange stehlen, denn er hatte gehört, dass sie sich auf diese Weise in eine wunderschöne Prinzessin verwandeln würde. Doch seine Dreistigkeit wurde bestraft. Kaum griff er nach ihrem Haupt, um die Krone zu nehmen, da zog ihn die Schlangenkönigin einfach in die Tiefe. Seitdem wurden beide nie wieder gesehen. Der kleine Junge aber wachte am anderen Morgen auf und fand vor seinem Bett eine kleine Truhe. Als er sie öffnete, traute er seinen Augen kaum. Darin befand sich die glitzernde Krone seiner Freundin, der Schlangenkönigin. Sie lag auf einem Berg aus Goldstücken. Fortan musste das Kind und seine Familie keinen Hunger mehr leiden, denn dank der Schlangenkönigin hatten sie für den Rest ihres Lebens ausgesorgt. Der Vater baute ein kleines schmuckes Haus, in dem sie bis ans Ende ihres Lebens glücklich zusammen waren. Die Krone der Schlangenkönigin war heiß begehrt und jeder aus dem Dorf wollte sie ansehen. Aber für den kleinen Jungen war die Krone sein größter Schatz und mher als ein schönes Schmuckstück. Die Krone war die Seele seiner liebsten Freundin - und darum hat er sie irgendwo an einer Stelle im Wald vergraben, die nur er allein kennt..

Weiter geht’s in den Ort Herrenstrunden..

Von der Quelle sind es nur wenige Meter an der Kirche vorbei bis in den schönen historischen Ort. Leider führt mittendurch die Landstraße und macht ein gemütliches Bummeln mit Kindern nur schwer möglich. Trotzdem – wer noch eine Weile in Herrenstrunden bleiben will, wird sich nicht langweilen, denn es gibt entlang der Hauptstraße gerade für Geschichtsfans eine Menge zu besichtigen. Hier an der Strunde hatte sich nämlich im Mittelater der Malteser- bzw. Johanniterorden niedergelassen und eine Kommende gegründet, in denen Ordensangehörige lebten.

Die Sehenswürdigkeiten von Herrenstrunden im Schnelldurchlauf:

  • die Johanniterkommende. Sie besteht aus der Johanniterkirche, der Maltesermühle (im Privatebsitz) und der Malteserkomturei (im Privatbesitz).
  • Burg Zweiffel. Einst war die Burg das Zentrum eines ausgedehnten Gutes – der Bau der Landstraße hat diese Einheit allerdings zerschnitten, so dass auf der einen Straßenseit die gut erhaltene Burg steht, auf der anderen Straßenseite die früheren Hofgebäude, alte Mauerreste aus der Frühzeit der Burg und das „Herkenrather Tor“. Bis zum 14. Jahrhundert war die Burg Sitz derer von Strunde, dann übernahm die Kölner Patrizierfamilie von Zweiffel das Anwesen. Noch heute ist die Burg in Privatbesitz.
  • das alte Freibad, dessen Eingangsbereich unter Denkmalschutz steht (im Privatbesitz, z.Zt. als Biergarten in Betrieb)

Wer in Herrenstrunden rasten und einkehren will, für den gibt es erstaunlicherweise eine größere Anzahl von hochpreisigen Edel-Restraurants, die für Familien mit Kindern nicht unbedingt das Richtige sein dürften. Zwei einfachere gastronomische Betriebe  sind die Folgenden:

Einkehrtipps für Familien:

 Strunde-Island „Altes Freibad“ - Kürtener Straße 339, 51465 Bergisch Gladbach, Telefon: 02202/9649104
Ehemaliges Freibad von 1930 mit aufgeschüttetem Sand, Beachvolleyball-Feld; die sehenswerte hölzerne Eingangshalle steht unter Denkmalschutz, Biergarten mit Gastronomie

Zur Quelle der Strunde – Herrenstrunden 31, 51465 Bergisch Gladbach, Telefon: 02202/1882301
Rustikales Gasthaus

 

Weiter geht’s…

Von der Quelle kommend folgen wir der Hauptstraße, halten uns etwa 200 Meter links, bis in der Ortsmitte links der Trotzenburger Weg abgeht. Dem folgen wir bergauf, halten uns dabei links und kommen per asphaltiertem Hohlweg in den Wald.

Frau Betty rät:
Es könnte sein, dass an dieser Stelle ein wenig die Stimmung kippt, die Kinder sind müde, würden lieber im Biergarten oder auf dem Spielplatz bleiben. Lassen Sie sich hier was einfallen. Der Wald bietet sich an für Fantasiereisen, es ist ein Zauberwald, in dem höchstwahrscheinlich noch Zwerge und Trolle leben. Suchen Sie mit den Kindern aus Zwergen-Sicht nach Pfaden, Nahrung, Unterschlüpfen – oder machen Sie sich auf die Suche nach der vergrabenen Krone der Schlangenkönigin…

Wenn wir oben auf der Anhöhe sind, gibt es die Möglichkeit, vor dem Endspurt eine kleine Verschnaufpause einzulegen, denn Holzbänke und ein Tisch warten einladend an einer Weggabelung. Wir halten uns geradeaus und gehen auf einer kleinen Asphaltstraße über das freie Feld. Nach etwa 1 km erreichen wir eine kleine Streusiedlung. Auf der linken Seite der Straße, gerade hinter den letzten Wirtschaftsgebäuden eines Gehöfts erkennt man zwischen Straße und Wald einen sanften Hügel. An dieser Stelle, das versichert jedenfalls der Bauer, hat früher einmal die Trotzenburg gestanden. Wie von Geisterhand ist sie verschwunden – entweder hatten auch hier wieder irgendwelche Zauberkräfte ihre Finger im Spiel, oder die Burg ist bis auf die Mauern abgebrannt. Die restlichen Steine wurden in so einem Fall gerne von den Dorfbewohnern genommen, um andere Häuser aufzubauen. Fest steht, dass von der Trotzenburg nichts mehr zu sehen ist, obwohl das Gerücht geht, dass rechterhand des Weges im Wald noch irgendwo Reste einer Ringwallanlage zu finden sein sollen… Wer noch die Kraft hat, kann suchen, die anderen marschieren das Sträßchen weiter entlang, bis es die große Bensberger Landstraße erreicht. Dort halten wir uns links und biegen die zweite Straße,  Am Kloster, links ein. Die Straße führt bergab – und leider müssen wir noch einmal eine große Straße überqueren, die Bergisch Gladbacher Straße. Doch das ist wichtig, denn wir wollen doch am Ende unserer Wanderung noch einmal kurz ins Reich der Zwerge eintauchen – wenngleich es dazu einer großen Portion Fantasie bedarf. Das Sträßchen Dorpe führt uns nämlich sanft hinunter in eine kleine Talsohle hin zur Urquelle der Strunde. Damals hieß die Quelle Asenborn – und die Alten erzählen noch heute, dass die Asenborn in früheren Zeiten ein heiliger Ort war! Immerhin. Hier also hatte der geizige Müller seine Mühle stehen – solange, bis die Quelle durch Zwergenzauber versiegte und das Wasserrad der Mühle für immer stillstand. Dass es so war, lässt sich nur erahnen – zu sehen ist wenig, oder wenn man ehrlich ist: gar nichts. Aber eine schöne Geschichte ist’s schon, oder?

Von der Talsohle aus sind es nur noch wenige Minuten, bis wir am Parkplatz sind. Wir halten uns auf dem ansteigenden Sträßchen rechts und erreichen wieder die L289, die Bechener Straße. Wir wechseln die Straßenseite und gehen rechts, bis wir auch schon von weitem die bekannte Tankstelle sehen. Die lassen wir hinter uns und erreichen unseren Ausgangspunkt, die Jakobskapelle.