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Herbst 2018. Was für eine überraschende Wendung im Drama um die noch verbliebenen 200 ha Hambacher Forst in Kerpen-Buir! Eigentlich wollte der Energiekonzern RWE ab dem 15. Oktober loslegen und wieder roden – ungeachtet des längst beschlossenen Kohleausstiegs, fest zugesagter Klimaziele und nicht enden wollender Bürgerproteste.

Am 5. Oktober dann das unerwartete Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster: Rodungsstopp bis über die Klage des Umweltverbandes BUND in Sachen Bechsteinfledermaus und europäisches FFH-Schutzgebiet entschieden ist! Und das kann dauern. Insider gehen von einem Prüfungszeitraum von mindestens Ende 2020 aus.

Entsprechend ausgelassen und entspannt die Stimmung am Tag nach der Verkündung des Urteils. Große Verbände wie BUND, Greenpeace, Naturfreunde und Campact hatten für den 6. Oktober 2018 zu einer Großdemonstration „Wald retten, Kohle stoppen!“ aufgerufen – und waren selbst überrascht, wie viele Menschen aus der ganzen Bundesrepublik dem Ruf gefolgt waren: An die 50.000 versammelten sich auf einem Acker nahe des Hambacher Waldes und zeigten auf kreative und friedliche Weise Flagge. Eine entspannte Kundgebung bei Sonnenschein, für die meisten Besucher ein schönes Erlebnis.

Für das Innere des Waldes, für Bäume und Waldtiere kam der Richterspruch aus Münster allerdings ein paar Wochen zu spät.
Der Wald wirkt geschunden. Als sei hier eine große Schlacht geschlagen worden mit einem traurigen Verlierer: Dem gastgebenden Wald.
Die Baumhäuser, die sich viele Jahre lang organisch in die Natur eingefügt haben, zerstört. Ihre Bewohner, die diesem Wald mit Respekt und Fürsorge begegneten, von RWE und Polizei vertrieben. Quer durch den Wald ziehen sich breite Schneisen, geschlagen als Wege für die schweren Fahrzeuge der Räumkommandos. Der Boden ist damit für die nächsten Jahrzehnte so verdichtet, dass dort kein Kraut mehr wachsen wird. Unzählige Bäume verletzt, Äste und Borken geschädigt beim Abriss der Baumhäuser mit groben Gerätschaften. Ganz zu schweigen vom Lärm der Maschinen, Motorsägen und Lautsprechern, von den hellerleuchteten Nächten, in denen die noch verbliebenen Waldbeschützer mit Scheinwerfern mürbe gemacht werden sollten. Ein Alptraum für jeden im Wald, Mensch oder Tier.
Jetzt muss dringend Ruhe einkehren.

Drei knorrige Eichen am Waldrand, die mächtige Linde im Nachbardorf – alte Bäume sind es wert, besonders geschützt zu werden, denn sie verkörpern ein Stück Heimat, erzählen Geschichten aus Jahrhunderten und bieten Lebensraum für viele seltene oder bedrohte Tierarten. Manche Uraltbäume sind schon offiziell als Naturdenkmale ausgewiesen, viele andere stehen unentdeckt irgendwo in Deutschland. Damit sich das ändert, gibt es das BAUMREGISTER – hier werden mit viel Engagement und großer Baum-Liebe deutschlandweit bemerkenswerte Bäume gesucht, gesammelt und in ein Register eingepflegt. Gucken Sie doch mal, ob Ihr Lieblingsbaum dort schon registriert ist – und wenn nicht, holen Sie das nach. Sie können alte Bäume direkt melden! Und gleich nachsehen, welche Veteranen bei Ihnen in der Nähe stehen..

Mehr darüber unter Baumregister – Register für bemerkenswerte und alte Bäume (baumkunde.de)

NEWS

Es gibt wieder ein neues “Tier des Jahres”! Der Wisent – gerade frisch von der “Schutzgemeinschaft Deutsches Wild” zum Tier des Jahres 2014 gewählt worden. Genau genommen zum Wildtier des Jahres, denn neben dem gekürten Wisent gibt es, und jetzt halten Sie sich fest, den Vogel des Jahres, das Weichtier des Jahres, das Höhlentier des Jahres, das Gartentier des Jahres, das Reptil des Jahres, den Fisch des Jahres, die Spinne des Jahres, den Schmetterling des Jahres, das Insekt des Jahres, den Baum des Jahres, die Blume des Jahres, die Orchidee des Jahres, die Arzneipflanze des Jahrs, den Pilz des Jahres und sogar den Boden des Jahres. Klingt verrückt, ist es aber nicht.

Dank verschiedener Naturschutz-Organisationen wie z.B. dem NABU, der “Heinz Sielmann Stiftung”, “Loki Schmidt Stiftung”, “Baum des Jahres Stiftung”, der “Deutsche Gesellschaft für Mykologie” oder “Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde” wird jährlich gewählt und dabei mehr oder weniger medienwirksam hingewiesen auf Tier- oder Pflanzenarten, die unter besonderen Schutz gestellt werden sollten, weil sie oder ihre Lebensräume bedroht sind. Eine sinnvolle Sache also, diese Titelvergabe, rücken so doch für einen Moment diejenigen ins Rampenlicht, die auf unsere Aufmerksamkeit bitter angewiesen sind.

Vor lauter Titeln darf der Wisent als “Wildtier des Jahres 2014″ natürlich nicht zur Nebensache werden, denn die Bison-Art ist nicht nur bedroht oder gefährdet – sondern seit Jahrhunderten in Deutschland ausgestorben! Demzufolge ist das, was zur Zeit im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen passiert, ein wirklich großes Ding. Denn dort hat man im April 2013 eine zehnköpfige Wisent-Herde ausgewildert. Wenig später kam das erste Wisentkalb zur Welt – und zwar in freier Wildbahn, das heißt in einem bewirtschafteten Wald und nicht im Wildpark! Ein voller Erfolg für die Naturschützer. Und zudem ein Touristenmagnet für die Region, denn die Begegnung mit einem der zur Zeit sieben Wisente in freier Natur könnte durchaus zu einem unvergesslichen Ereignis werden – falls man eines der 3 Meter langen und – Schulterhöhe! – 2 Meter hohen, sanften Kolosse in dem riesigen Waldgebiet zu Gesicht bekommt. Damit der interessierte Wanderer und Tierfreund auf jeden Fall auf seine Kosten kommt, gibt es übrigens seit einiger Zeit gleich nebenan eine zweite Herde auf einem kleineren, eingezäunten Areal von Aussichtsplattformen aus zu bestaunen. Nähere Infos dazu unter http://www.wisent-welt.de

Mein Fazit: Ohne Titelvergabe würde ich beim Wisent an Höhlenmalereien aus der Steinzeit denken – aber nicht an eine wilde Herde im Wittgensteiner Land! Sie auch? Na dann – auf ins Rothaargebirge!